DIE GESCHICHTE EINER IDEE
Ganz am Anfang stand eine Idee.
Eine Idee, die vage in einigen Köpfen herumspukte.
Eine Idee, die Veränderung wollte, und die einen Weg suchte.
Einen Weg, heraus aus der vermeintlichen Enge traditioneller Chorarbeit und hinaus in die große und grenzenlose Welt der Musik.
Ein paar von uns hatten bis dahin in verschiedenen Chören gesungen, und suchten jetzt neue Herausforderungen, suchten nach einer anderen Art zu singen. Allerdings mussten wir feststellen, dass es ziemlich schwierig war, diesen indifferenten Ideen einen gemeinsamen Weg zu zeigen, ihnen Nahrung zu geben und musikalisch wirklich neue Wege zu beschreiten. Weitere Mitsänger waren zwar schnell gefunden, was aber fehlte, war das Haupt. Einer, der die Ideen aus unseren Köpfen sog und sie bündelte. Mehrere erfahrene Chorleiter versuchten es mit uns, konnten aber die Gedanken, die in unseren Köpfen spukten, nicht in eine konkrete musikalische Richtung lenken. Und so dauerte es fast fünf Jahre und wir hatten schon fast aufgegeben, als wir Holger trafen. Musikpädagoge von Beruf und Musiker und Chorleiter aus Passion, stand er unseren Vorstellungen und musikalischen Fähigkeiten erstmal ziemlich skeptisch gegenüber (seine Skepsis hinsichtlich unserer musikalischen Fähigkeiten besteht wohl bis heute). Doch er ging das Wagnis ein und heute, rückblickend und aus der Entfernung betrachtet, war das erste Gespräch, dass wir mit Holger Maas an einem Sonntagmorgen im April 1999 in Jupps Wohnzimmer führten, die eigentliche Geburtsstunde unseres Ensembles. Ja, fast hätten wir gesagt, es war eine Sternstunde der Musikgeschichte (also, zumindest, was die Musikgeschichte von Rehlingen und Siersburg angeht).
Wir begannen mit den Proben und es stellte sich dann schnell heraus, dass wir musikalisch und stimmlich eigentlich gut zu einander passten. Holger fand sehr schnell Musikstücke, die unserer Idee, ein etwas anderes Gesangsensemble zu sein, schon sehr nahe kamen. Doch das, was wir wirklich machen wollten, gab es nicht von der Stange. Holger musste diese Songs deshalb eigens auf unsere Besetzung und vor allem auf unsere - wohl immer noch - begrenzten stimmlichen Möglichkeiten abstimmen und teilweise ganz neu arrangieren.
Damit war auch unser Name "ContraPunkt" zum Programm geworden.
In den nun folgenden Jahren stellten wir uns so mancher Herausforderung. Konzerte mit weltlicher und geistlicher Literatur wechselten sich ab.
Inspiriert von A-Capella-Gruppen wie den Wise Guys, den The King`s Singers oder Maybebop übernahmen wir einige für uns gut geeignete Titel. Von Holger vertonte Gedichte einiger lokaler Mundartdichter komplettieren unser Repertoire.
Musikalische Höhepunkte in der Geschichte unseres Ensembles waren sicherlich die Aufführungen der beiden Passionen nach Matthäus und Lukas von Heinrich Schütz in den Jahren 2003 und 2023. Unterstützt durch den Tenor Alexander Wendt, der die Partie des Evangelisten übernahm, wagten wir uns mit diesen insgesamt sechs Konzerten auf ein völlig neues Terrain. Aber auch hier musste Holger helfend eingreifen, denn die heute erhältlichen Partituren dieser Passionen sind alle für gemischten Chor gesetzt, in dieser Form für uns also nicht brauchbar.
"That’s what friends are for“ - dieser wunderschöne Song von Stevie Wonder war eines der ersten Lieder mit denen wir im April 1999 zaghaft begannen. Und in all den Jahren ist dieses kleine Lied so etwas wie unser Motto geworden. Denn auch außerhalb von Proben, Auftritten und Konzerten unternehmen wir vieles gemeinsam. Es wurde uns auch ziemlich schnell klar, dass wir unsere Familien bei unseren vielfältigen Unternehmungen nicht immer außen vor lassen konnten. Unsere Frauen treffen sich regelmäßig und verabschieden sich auch schon mal zu einer kleinen Urlaubsreise. Unsere Kinder sind ihrem Namen „ContraPünktchen“, unter dem sie in unserem Programm „Querbeet“ Mundartgedichte vorgetragen hatten, mittlerweile längst entwachsen, sie begleiten und unterstützen uns aber auch heute noch.
Unseren Ideen und Vorstellungen sind wir in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren ein gutes Stück näher gekommen. Und letztendlich war es Holger, der es mit viel Geduld, Leidenschaft und pädagogischem Geschick geschafft hat, aus den sieben Einzelkämpfern von damals einen harmonischen und hörenswerten Klangkörper zu formen.
Aber unsere Idee hat sich mit uns aber auch weiterentwickelt.
So haben wir es dann im neunzehnten Jahr unseres Bestehens endlich geschafft, die von Holger vertonten Mundartgedichte aus seiner Rodener Heimat auf eine CD zu bannen und so für die Nachwelt zu erhalten. Es war viel Zeit, Arbeit und Disziplin erforderlich, dieses Projekt zu verwirklichen, aber wir sind überzeugt, dass sich der Aufwand letztendlich gelohnt hat.
An dieser Stelle daher auch ein herzliches Dankeschön an die Familien der bereits verstorbenen Rodener Heimatdichter für die Erlaubnis, die Gedichte vertonen und nun auch auf einer CD veröffentlichen zu dürfen.
Und nun...?
Wie geht es weiter mit unserer Idee...?
Im April 2024 haben wir unser 25-jähriges Bestehen gefeiert und zu diesem Anlass im Sommer ein ausverkauftes und viel beachtetes Konzert im wunderschönen Garten des Leickshof in Siersburg gegeben. Doch dabei haben wir auch festgestellt, dass ein viertel Jahrhundert gemeinsamen Schaffens nicht spurenlos geblieben ist. Wir haben uns weiterentwickelt, die Probenarbeit ist mitunter zwar immer noch anstrengend, aber wir sind routinierter geworden und tun uns nicht mehr ganz schwer, wie es am Anfang war. Aber es gibt auch anderes, was sich verändert hat. Die Haare sind bei manchem etwas weniger geworden und bei manch anderem sind Haar und Bart grau geworden. Nicht nur wir haben uns verändert, auch unser Ensemble hat sich verändert, Mitsänger haben uns verlassen, andere sind dazu gekommen.
Doch die Freude ist geblieben. Die Freude an der Musik, am gemeinsamen Proben. Die Freude, auf der Bühne zu stehen und den Menschen, die in unsere Konzerte kommen, einige unbeschwerte Stunden bereiten zu können.
Was aber letztendlich daraus wird, die Zeit wird es zeigen ...
Der Weg ist das Ziel!
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